Die drei Phänomene
1. Nachhall (RT60)
Die Zeit, bis ein Schallereignis um 60 dB abgeklungen ist. Kahle Räume: 1–2 Sekunden. Gut gedämpfte: 0,3–0,6. Der Nachhall entsteht aus tausenden Reflexionen, die sich überlagern — er macht Sprache unverständlich und Musik breiig.
2. Frühe Reflexionen
Die ersten 5–20 ms nach dem Direktschall: Reflexionen von Seitenwänden, Decke und Boden. Sie verwischen Ortung und Klangfarbe. Genau hier setzen Absorber an — ein paar Quadratmeter an den richtigen Stellen wirken stärker als vollflächige Dämpfung an den falschen.
3. Raummoden
Bei tiefen Frequenzen bilden sich stehende Wellen zwischen parallelen Wänden — manche Basstöne dröhnen, andere fehlen. Faustregel: Je würfelförmiger der Raum, desto stärker. Gegen tiefe Moden helfen nur dicke Absorber oder Bassfallen in den Ecken — dünne Panels wirken hier kaum.
Zielwerte nach Nutzung
| Nutzung | RT60-Ziel (grobe Richtwerte) | Priorität |
|---|---|---|
| Videocalls / Sprache | 0,3–0,6 s | Reflexionspunkte, Teppich |
| Podcast / Aufnahme | 0,2–0,4 s | Rundum-Dämpfung um das Mikro |
| Musik hören | 0,5–0,9 s | Symmetrie, Erstreflexion |
| Musik machen / üben | 0,8–1,2 s | Ecken, Rückwand |
| Heimkino | 0,4–0,7 s | Front, Seiten, Decke |
Absorption vs. Diffusion
Absorption schluckt Schall (weiche, poröse Materialien). Diffusion streut ihn (unregelmäßige harte Oberflächen wie Bücherregale). Für kleine Räume gilt: erst absorbieren, dann — wenn der Raum zu trocken wird — diffus streuen. Ein volles Bücherregal an der Rückwand ist ein hervorragender Diffusor zum Nulltarif.
