Was RT60 bedeutet
RT60 ist die Zeit in Sekunden, in der ein Schallereignis um 60 Dezibel abklingt — also praktisch verstummt. Gemessen wird sie mit kalibriertem Equipment; geschätzt wird sie mit der Sabine-Formel.
Die Sabine-Formel
V = Raumvolumen in m³
A = äquivalente Absorptionsfläche in m² = Σ (Teilfläche × α)
α = Absorptionsgrad des Materials (0 = reflektiert alles, 1 = schluckt alles)
Wallace Sabine entwickelte die Formel um 1900 für Konzertsäle. Sie setzt ein diffuses Schallfeld voraus — also gleichmäßig verteilten Schall. In Wohnräumen mit Möbeln, Nischen und parallelen Wänden ist das nur näherungsweise erfüllt.
Absorptionsgrade im Überblick
| Material | α (Mittelwert, grob) | Anmerkung |
|---|---|---|
| Beton, Fliesen | 0,02 | Reflektiert fast alles |
| Fenster (Glas) | 0,03 | Reflektiert, kaum Absorption |
| Putz, Tapete | 0,04 | Standard-Wohnraum |
| Laminat | 0,10 | Etwas besser als Fliesen |
| Vorhang (leicht) | 0,20 | Nur mit Faltenwurf |
| Teppich | 0,30 | Stark frequenzabhängig |
| Akustikpanel 5 cm | 0,70 | Herstellerangaben beachten |
| Akustikpanel 10 cm | 0,90 | Auch für tiefere Frequenzen |
Wo die Schätzung endet
- Frequenzabhängigkeit: α gilt pro Frequenzband — ein Teppich schluckt Höhen, aber fast keinen Bass. Die Ein-Zahl-Schätzung mittelt das weg.
- Raummoden: Tiefe Frequenzen folgen nicht der Sabine-Logik — stehende Wellen brauchen eigene Behandlung.
- Möbel und Menschen: Sofa, Bücherregal und zwei Personen ändern A spürbar — die Schätzung kennt sie nicht.
- Geometrie: Nischen, Dachschrägen und offene Türen verzerren das Ergebnis.